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Ernsthafter Spass – Serious Fun

Archiv für die Kategorie “Computertechnik”

The Golden Age of Surveillance oder warum das Internet kein Ponyhof ist

Update 03.03.2014

Gestern habe ich einen aktuellen deutschsprachigen Vortrag zum Thema Kommunikationssicherheit von Frank Rieger, Experte für Kommunikationssicherheit und ein Sprecher des Chaos Computer Clubs entdeckt. Mehr Infos sind auf der verlinkten Seite zu finden.

Ursprünglicher Eintrag 15.02.2014

Wenn man sogenannten Experten zuhört, die in letzter Zeit häufig zu Finanz- und Wirtschaftsthemen befragt werden, kann man ja durchaus der Meinung sein, dass der Begriff Experte auch nicht mehr das ist, was er mal war, und etwas inflationär benutzt wird. Man möge diese etwas billige Polemik verzeihen, sie soll nur herausstreichen, dass diese Bezeichnung für Bruce Schneier beim Thema IT-Sicherheit sicher keine Übertreibung ist, der Herr kennt sich wirklich aus.

Der 11. Februar 2014 wurde ja zum Day we fight back, nämlich gegen die NSA-Überwachung, erklärt. Kaum jemand, zumindest hier in Europa, ging hin, ich habe zwar im Jänner von diesem Aktionstag gehört und ihn dann verpasst, in den Leitmedien wurde kaum bis gar nicht berichtet. Bezeichnend war beispielsweise, dass auf heise.de am Abend des 12. Februar ca. 160 Leserkommentare zu diesem Thema eingegangen waren, die etwa gleich alte Meldung zum Kursrutsch beim Bitcoin-Pyramidenspiel hatte zum gleichen Zeitpunkt schon >350 Kommentare.

Am Tag davor hat Schneier eine Vorlesung online gestellt, und im Unterschied zur bisherigen Berichterstattung über die Massenüberwachung, die der Salamitaktik folgte, kann man hier in einer knappen Stunde das bestürzende Ausmaß der digitalen Bespitzelung erkennen. Während uns spätestens seit diesem Gespräch mit Sascha Lobo bekannt sein sollte, dass das Internet kaputt (sic!) ist, hilft uns dieser Beitrag abzuschätzen, wie kaputt es wirklich ist und wie man an eine Reparatur herangehen könnte, nämlich indem man den Aufwand für Überwachung steigert, sprich verteuert. Unverschlüsselte Metadaten sind wohl der Kern des Problems, und Verschlüsselung kann funktionieren, wenn sie ausreichend sicher implementiert ist. Einige zur Zeit angewandte Methoden bieten keinen Schutz mehr, da sie auf schlechten Zufallszahlengeneratoren aufgebaut sind, auf der anderen Seite besteht nach wie vor hoher Aufklärungsbedarf über sichere Passwörter.

Wer nach Schneiers Worten noch nicht genügend verunsichert ist, könnte vielleicht noch diese Meinung des Technology Review Redakteurs Wolfgang Stieler lesen, aber Vorsicht, wer anfällig für Paranoia ist, sollte dem Link lieber nicht folgen.

Solange jedoch sogar IT-Interessierte beispielsweise Bitcoin mehr Aufmerksamkeit schenken als der Massenüberwachung, wird sich wohl nicht viel ändern. Von der Politik eine baldige Lösung des Problems zu erwarten, ist ebenso illusorisch, es ist wieder mal ein Treppenwitz der Geschichte dass der ehemalige deutsche Innenminister Friedrich nicht wegen seines Verhaltens seit Bekanntwerden der Snowden-Dokumente zurücktreten musste, sondern nun als Landwirtschaftsminister wegen einer unappetitlichen anderen Affäre.

Sich von der hierzulande verantwortlichen Innenministerin Mikl-Leitner irgendeine Reaktion abseits von „schaun wir mal, was die Deitschn machen“ zu erhoffen, ist wohl auch Überschätzung der österreichischen politischen Kompetenz, noch dazu wo man solch diffizile Themen einfach mal nach Brüssel abschieben kann und derweil fröhlich Polizeiposten schließen kann. Man senkt also das (natürlich subjektive) Sicherheitsgefühl in der echten Welt, während man nichts dazu beiträgt, die digitale Sicherheit zu stärken. Eine interessante Amtsauffassung hat man da beim Innenministerium.

Weil es nach diesem Abschlussrant so schön reinpasst noch ein feiner kleiner Song von Monomania.

Für weitere Informationen zur NSA Affäre bietet die heise-Timeline einen guten Ausgangspunkt.

Ich freue mich über Kommentare zu diesem Thema, was halten Leser davon? Ist das eh alles egal und die da oben werden schon wissen was sie tun aber lasst uns damit in Ruhe, die können gern alles wissen was ich so im Netz mache und mit wem ich worüber kommuniziere und wo ich mich grad so rumtreibe? Nur ein gläserner Bürger ist ein guter Bürger, aber Politik und Wirtschaft dürfen ruhig hinter verschlossenen Türen verhandeln (kleines Beispiel: transatlantisches Freihandelsabkommen)?
 
Oder nehmt ihr die digitale Sicherheit so gut es geht selbst in die Hand. Hat jemand Tipps, wie man seine Kommunikation und Systeme mit halbwegs einfachen Mitteln möglichst sicher macht?
Nachtrag 16.02.: Schließlich werden diese Schwachstellen der digitalen Kommunikation nicht nur von Geheimdiensten, sondern auch von Kriminellen genutzt – und es ist gar nicht so einfach abzuwägen,  welche Seite die größere Bedrohung ist.
 
Deswegen habe ich Kommentare ohne Anmeldung hier freigeschaltet, man kann ruhig eine Fantasie-Mailadresse angeben, mich interessiert nicht wer ihr seid, sondern was ihr dazu meint.
 

Windows bald Open Source?

Eine IT-Nachricht erregte heute meine Aufmerksamkeit, wonach Microsoft europäischen Regierungsvertretern bequemeren Einblick in seinen Quellcode ermöglichen will, nämlich Zuhause, also hier in Good Old Europe. Bisher mussten Microsoft-Produkte verwendende Vertreter der Öffentlichkeit extra in die Vereinigten Staaten reisen, um dies zu tun, nun soll’s bald eine Filiale in Brüssel geben, wo man den Code bewundern darf. Das Konzept der Macstores weitergedacht, könnte einem Schelm dabei in den Sinn kommen.

Eine vertrauensbildende Maßnahme im Zuge der NSA-Verunsicherung seitens des Unternehmens, dessen System den Großteil der öffentlichen europäischen IT-Infrastruktur betreibt ist mehr als notwendig, was hier anscheinend geboten wird ist aber eindeutig zu wenig. Es mag zwar aus der Perspektive der Firma wie das Schlachten einer heiligen Kuh aussehen, Fremden Einblick in ihren Code zu geben, aber solange dies in einer MS-kontrollierten Umgebung stattfindet, ist eine objektive Überprüfung unmöglich. Ich bin der Meinung, Windows muss inklusive aller Updates Open Source werden, um weiterhin in öffentlichen IT-Systemen eingesetzt werden zu dürfen. Dies sollte die Mindestanforderung sein, wenn Microsoft weiterhin lukrative Geschäfte mit europäischen Regierungen machen will. Denn wer garantiert denn, dass man in der Filiale in Brüssel auch alle Teile des Quellcodes zu sehen bekommt? Eine nicht-essenzielle Schnittstelle zur Fernüberwachung könnte man da ohne allzu viel Aufsehen zu erregen relativ unaufwändig unter den Tisch fallen lassen.

Einige Behörden setzten doch bereits erfolgreich auf Opensource Betriebssysteme, überdies steht ohnehin dringenst die Ablöse des hoffnungslos veralteten XP an, welches immer noch in weitverbreitetem öffentlichen Einsatz ist, es wäre doch vernünftig (und günstiger), jetzt einen Schnitt zu machen und sich von MS in der öffentlichen Verwaltung zu verabschieden. Microsoft wäre indirekt auch geholfen, könnte sich der Konzern so doch wieder mehr auf das Privatkundengeschäft konzentrieren, Windows 8 soll ja, wie ich allerdings nur vom Hörensagen weiß, nicht so ganz das Gelbe vom Ei sein.

 

Update: Bei heise gab’s dazu eine ausführlichere Meldung.

Ein Kulturzeitdisput übers „kaputte“ Internet

Bevor das Blog über den Winter noch zu viel Staub ansetzt, stelle ich hier sozusagen zum Aufwärmen im neuen Jahr einen Kulturzeitdisput rein. Ein gekränkter Sascha Lobo im Gespräch mit dem Harvard-Internetforscher Evgeny Morozov. Lobo meint also, das Internet sei kaputt, was Morozov als Naivität empfindet. Ich bin geneigt, letzterem zuzustimmen, es besteht auf jeden Fall Handlungsbedarf für die Politik, man wäre aber wahrscheinlich naiv, allzu große Hoffnungen darauf zu setzen, dass da bald etwas weitergeht. Und sollte sich derweil selbst um größtmögliche  Kommunikationssicherheit kümmern.

 

Update 13.02.2014: Ein paar Textkorrekturen

Historie eines Hobbys – Teil 1

Ein persönlicher Rückblick auf 2 1/2 Jahrzehnte Computertechnologie

So fing es an

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Ich muss ungefähr 11 Jahre alt gewesen sein, als das Interesse am Lego-Bauen nachließ und elektronische Geräte eine starke Faszination auf mich auszuüben begannen. Wohl um zu verhindern, dass meiner Gehäuseaufschraublust Plattenspieler, Radio und der Fernseher zum Opfer fielen, erklärten sich meine Eltern bereit, mir einen Elektronikbaukasten zu schenken. Meine Wahl fiel auf ein Philips Schuco 6103C „Electronic Expert Lab“, was preislich mit meinem gesparten Taschengeld + Geburtstag gerade noch in einem akzeptablen Budgetrahmen war.

Relativ flott hatte ich die meisten Experimente aufgebaut, und die meisten waren auch von Erfolg gekrönt, und ich hatte mir die Grundlagen der Elektronik spielerisch angeeignet. Dann wurde das Ding jedoch auch bald langweilig, außerdem schmerzten oft die Finger wegen des etwas fummeligen Steckfedersystems. Etwa in dieser Zeit hatte ich auch Gelegenheit, bei einem Cousin einen Computer im Einsatz zu sehen – einen Commodore 64 – und da war’s um mich geschehen. Man konnte damit spielen – ich kann mich noch gut an das erste Spiel erinnern, das ich live auf einem Homecomputer ausprobieren durfte: High Noon, eine Art Western-Shooter – und man musste dem Ding dazu schriftliche Befehle erteilen. Nach ausführlichem Studium des Handbuchs wurde mir klar, dass man noch eine Menge anderer Sachen mit dem Gerät machen konnte, so etwas wollte ich auch!

Der erste Computer

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Also wurden eisern Taschengeldreserven gespart und Werbeprospekte durchforstet – Internet gab’s damals natürlich noch nicht für den Hausgebrauch, aber Versandhäuser mit telefonbuchdicken (und ich meine nicht die mickrigen lokalen Ausgaben, die man heute noch bekommt) Katalogen und auch manche Elektrohandelsketten hatten Homecomputer schon im Angebot – und kam zu dem Ergebnis, dass der Computer wohl in einem Geschäft im benachbarten Ausland am günstigsten zu erstehen wäre, sofern man ihn nicht verzollte. Also wurde ein Tagesausflug in eine nahe Grenzstadt organisiert, das Geschäft relativ flott gefunden und ein Commodore 64 – es war ein sogenanntes „c“-Modell in einem etwas ernsthafter designten Gehäuse als beim gute alten Brotkasten-Urmodell, welches allerdings zuverlässiger war, jedenfalls behauptete das damals die Gerüchteküche – ein Diskettenlaufwerk 1541c sowie ein Joystick, ein Spiel und eine Zehnerpackung 5 1/4″ Disketten gekauft. Als Anzeigegerät war der heimische Farbfernseher vorgesehen, um die Kosten möglichst niedrig zu halten.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, ob wir an jenem Tag sonst noch was in dieser Stadt gemacht haben, wahrscheinlich Essen gehen und irgendeine Sehenswürdigkeit anschauen, plädierte jedoch sicherlich für baldige Heimreise, um den Neuerwerb auszuprobieren.  Jedenfalls habe ich diese und folgende Investitionen in mein Hobby keinen Tag lang bereut (eines Tages werde ich vielleicht mal ausrechnen, wieviel Geld ich insgesamt in die Computerei gesteckt habe, da müsste mir allerdings schon sehr langweilig sein, also eher nie).

Außer vielleicht bei den paar Gelegenheiten, als nichts mehr ging und ich zum n-ten Mal aus- und einschaltete, RUNSTOP-RESTORE drückte (das 64er Pendant zu Strg-Alt-Entf), eine selbstgelochte  5 1/4″ Floppy (um beide Seiten zu verwenden aber nur halb soviel für die Medien zu bezahlen) mit „The Last Ninja 2″ von einem Tag auf den anderen nicht mehr lesbar war, eine 3,5“ Floppy beim Lochen (mit Vaters Bohrmaschine!) zersprang, die Datasette das Magnetband aus der Kassette zog und um ihre eigenen Spulköpfe wickelte. Dieses Kassettenlaufwerk hatte ich relativ sinnloserweise zusammen mit einem äußerst sinnvollen Final Cartridge III – ein Erweiterungsmodul, welches unter anderem die Diskettenleserate auf ein Vielfaches erhöhte und einen Resetschalter nachrüstete (dieses Manko des C=64 hat sich bis in die heutige PC-Welt in Form von einigen resettasterlosen Gehäusen fortgesetzt – es wird halt manchmal Nützliches eingespart, aber heutzutage ist ein Reset glücklicherweise eh nur noch sehr selten notwendig, obwohl manche Übertakter wohl auch schon den ein- oder anderen Powerschalter kaputtgedrückt haben sollen) in gebrauchtem Zustand von einem Kumpel, der sich einen protzigen Amiga 2000 mit PC-Erweiterungskarte(!) geleistet hatte, erworben. Heute haben wir Software-Amigaemulatoren am PC, die nur wenige Prozent aktueller Prozessorleistung benötigen.

Oder als das selbstprogrammierte Spiel schon als BASIC-Rohgerüst die interne Speicherkapazität des kleinen Commodore (38911 BASIC BYTES FREE (!)) zu überfordern drohte und man nur mit Assembler-Tricks auch noch eine eigens kreirte Schriftart (natürlich gab’s noch keine Fontbibliotheken) oder Bilder (mit dem Joystick in Amicapaint gezeichnet) und eine Joystick-Cursor-Steuerung einbauen konnte – wenn man das heutzutage einem Jüngeren erzählt, der mindestens 1GB Arbeitspeicher in seinem Mobiltelefon hat, und den Gegenwert eines Lagers von 5 1/4 Zoll single sided double density Disketten á 166 KB als Festspeicher (wäre eine interessante Rechenaufgabe, welchen Rauminhalt das Lager haben müsste, für zum Beispiel 32 GB, und wie lange die VC1541 bei einer Leserate von 300 Byte/s brauchen würde, um so eine Datenmenge einzulesen – aber Mathematik ist hier nicht das Thema) – man würde wohl ausgelacht. Dafür hatte man immerhin schon einen Bildschirm in Fernsehergröße, was auch die größten Super-Smartphones heutzutage nicht von sich behaupten können. Jaja, schon gut, die kann man auch am 40″ Full HD-Flatscreen anhängen, aber irgendwie ist das trotzdem nicht dasselbe.

Eine weitere Quelle des Ärgers (und schmerzender Hände) waren seitenlange abgetippte Listings aus der 64er Zeitschrift (vom deutschen Markt&Technik Verlag, wenn ich mich recht erinnere) in Hexadezimal-Code (immerhin mit Prüfsumme für jede Zeile), die sich dann allzu oft als leider gar nicht so tolle Programme für soviel Tipperei entpuppten. Sehr schön war unter anderem allerdings ein Fraktal-Grafikprogramm, das ein ziemlich beeindruckendes Apfelmännchen zeichnete.

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Am meisten wurde der Heimcomputer natürlich als Spielkonsole eingesetzt, und als leicht zu beeindruckender Jugendlicher sind mir die damaligen Kultspiele wie „International Karate“, „The Last Ninja“, „Zak McKracken And The Alien Mindbenders“, „Impossible Mission“ und „Elite“, um nur eine Handvoll zu nennen, immer noch in guter Erinnerung. Die ersten Spiele (und einzigen gekauften, ich geb’s ja zu, unsere Raubkopiererei hat den Heimcomputern den Garaus gemacht) waren allerdings die eher ruhmlose Schiffssimulation „Destroyer“ und eine Sammlung von drei Textadventures – immerhin mit Illustrationen, hab’s allerdings nicht geschafft, auch nur eins davon durchzuspielen, immerhin hatte ich wohl zu einem guten Teil meine stets erfreulichen Englischnoten diesen und vielen anderen englischen Adventures zu verdanken.

Wenn ich allerdings heutzutage einen C=64 Emulator starte und mir einen Klassiker von damals anschaue, ist es mit der nostalgischen Verklärung allerdings schnell vorbei. Es war früher nicht alles besser, „Angry Birds“ am Tabletcomputer ist heutzutage genauso spassig, ich habe es letzte Woche auf meinem nagelneuen 7″ Androidgerät mal probeweise gespielt – natürlich nur um die Leistungsfähigkeit bei Grafikanwendungen einschätzen zu können, ich hatte schließlich bisher außer aus den einschlägigen Medien keine Ahnung, was diese kleinen Mobil-CPUs so draufhaben – und hab mich prächtig amüsiert.

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Quelle: Wikipedia

Das erste Upgrade – und der Anfang vom Ende des Homecomputers

Etwas später wurde dann noch ein 12″ Farbmonitor (um den elterlichen Fernseher nicht dauernd zu blockieren und im eigenen Zimmer in Ruhe, ahäm, arbeiten zu können) und ein 9-Nadeldrucker (ich glaub es war ein Epson) zugekauft, die Basic-Textoberfläche des Computers hatte schließlich nicht einmal eine Bildlauf-Funktion, also wurden hauptsächlich seitenlange Listings auf Endlospapier ausgedruckt, um sie dann mit Bleistift umzuschreiben und die Änderungen anschließend wieder einzutippen. Mit nummerierten Code-Zeilen (maximal 64000, allerdings durfte das gesamte Programm nicht größer als 32911 Zeichen sein) und GOTO-Unterprogrammen. Commodore 64 Basic V2 halt, ein Klassiker.

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Als dann eines Tages aus heiterem Himmel der VIC (Video Interface Chip) wegen thermaler Überlastung (ich wusste damals noch nicht, dass das weiße Zeug auf dem Chip kein Dreck, sondern Wärmeleitpaste war, und hab’s weggeputzt – sehr unangebrachter Anfall von Putzfimmel) langsam begann, den Dienst zu quittieren – welches sich als von rechts her grauer werdendes Bild am Monitor bemerkbar machte und immer schlimmer wurde, je länger der Computer eingeschaltet war (der C=64 war natürlich lüfterlos und ohne Leitpaste briet der arme VIC vor sich hin) – war es an der Zeit, mich nach einem neuen Rechner umzuschauen.

Freunde und Verwandte hatten damals hauptsächlich Amigas – Apple Macintoshs und Atari STs waren in meiner Gegend kaum bis gar nicht anzutreffen – aber der war aus meiner Sicht bloß ein (viel) besserer C64 und hatte zwar tolle Multimediaeigenschaften (und die damals besten Spiele), aber viel interessanter fand ich den modularen Aufbau der PC-Architektur und durch glücklichen Zufall bekam ich einen ausgemusterten Philips-IBM-PC meiner Schule – gratis, weil mein erster EDV-Lehrer auch mein Taufpate war. Der war nicht mehr ganz State-Of-The-Art (ich meine natürlich den PC), sprich er hatte bloß CGA-Vierfarbgrafik und keine Festplatte sondern zwei Diskettenlaufwerke, aber immerhin liefen einige der ersten Sierra-Adventures und auch eine Programmierumgebung (auf jeden Fall DOS-Basic und ich meine mich zu erinnern auch Borland Pascal, damals noch ohne ‚Turbo‘). Der kaum mehr brauchbare ehrwürdige Heimcomputer von Commodore samt Peripherie (darunter mittlerweile auch ein Competition Pro Joystick – für ein Gefühl wie am Spielautomaten – ja Kinder, damals gab es noch Spielautomaten in Gasthäusern an denen wir am Heimweg von der Schule vorbeikamen und deshalb oft verspätet zum Mittagessen eintrafen, heutzutage habt ihr die Spielautomaten in Taschengröße immer dabei – als Smartphones) emigrierte auf den elterlichen Dachboden, bis dahin waren der ergrauende C=64 zum Spielen und der IBM-PC für ernsthaftere Zwecke wie Programmieren und Textverarbeitung im Paralleleinsatz.

Den Drucker konnte ich am PC dank Parallelschnittstelle weiterverwenden – wenn mich nicht alles täuscht, habe ich sogar eine Rohfassung unserer Maturazeitung (als einer der wenigen Computerversteher in meiner Klasse übernahm ich natürlich das tippen und layouten derselben), der Absturz von Microsoft Word, als die meiste Arbeit schon getan war, und dabei die Datei auch noch zerstört wurde, war wohl der Grundstein für meine bis heute andauernde Hassliebe zu Microsoft-Produkten. Man kann oft nicht mit ihnen, aber ohne sie fehlt einem auch was. Deshalb bin ich bis heute nicht wirklich auf Linux umgestiegen, obwohl ich es öfter probiert habe und eigentlich zwischendurch und für spezielle Aufgaben recht gern verwende. Für Schreib- und sonstige Büroarbeiten habe ich allerdings seit langem Open Office bzw. seit etwa einem Jahr das daraus hervorgegangene Libre Office im Einsatz, MS Office 2000 war meine letzte gekaufte Officesuite.

Der Monitor taugte immer noch zum Videoschauen im eigenen Zimmer. Damals konnte man sich in der örtlichen Videothek „mobile“ Abspielgeräte im Format und mit dem Gewicht eines VHS-Rekorders ausleihen, heikel zu transportieren am Fahrrad. Ob bei einem Sturzschaden dann der Ausleiher nach einem treuherzigen „War schon kaputt!“ Gnade walten ließ, ist eine andere Geschichte und wird hier nicht erzählt. Später hatten wir dann einen eigenen VHS-Rekorder von Philips im Haushalt, welcher des öfteren in mein Zimmer mitgenommen wurde. Auch ein feines Stück Technik, das bis heute einwandfrei funktioniert. Der Monitor war als Notlösung mit dem Videorekorder als TV-Tuner über einen Zeitraum von knapp 20 Jahren immer wieder mal im Einsatz. Mit 12″ Diagonale und Mono-Lautsprecher!

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Auf zum Personal Computer

Auch wenn sich mein C=64 als „Personal Computer“ ausgab – dieser Schriftzug prägte jedenfalls die untere rechte Ecke des Gehäuses und er hatte auch die bei PC-Gehäusen übliche graue Farbe und etwas beige Patina angenommen – konnte er doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass er ein nicht mehr weiter aufrüstbarer Homecomputer war, und neben dem Amiga und dem Atari ST alt aussah. Als dann auch noch S-VGA Grafik- und Soundblasterkarten dem PC ungeahnte Multimediaeigenschaften bescherten, war die Entscheidung gefallen: Ein PC-AT (Advanced Technology) musste her.

Von meinem zweiten selbstverdienten Geld als Sommer-Ferialpraktikant in einem Warenlager – der Lohn vom ersten Praktikum (damals wurde Ferialarbeit noch relativ ordentlich entlohnt) wurde natürlich in eine Stereoanlage investiert, deren Technics-Verstärker erst dieses Jahr durch einen kleinen aber feinen Marantz AV-Receiver ersetzt wurde – kaufte ich mir schließlich einen zeitgemäßen PC (beim Media Markt, damals allerdings noch ohne Blödmann-Slogan), nachdem ich mich zuvor anhand von Zeitschriften so gut es ging über den Stand der Technik schlau gemacht hatte. Ausserdem hatte ich meinen zweiten Sommer-PC-Kurs besucht – Computer Aided Design war das Thema, der Erste im Jahr davor war „Programmieren in Turbo Pascal“, seitdem war ich meiner Informatiklehrerin oft etwas voraus, und wollte diese neuerworbenen Kenntnisse auch einsetzen können.

Es war ein Intel-486DX2/50 Rechner mit 1 MB RAM, Local Bus (das damalige PCI-Express x16) S-VGA Grafik und einer Festplatte mit damals gigantischen 100 MB in einem grauen Miditower-Gehäuse. Darauf schrieb ich unter anderem meine Informatik-Maturafacharbeit: „Ein Zeichenprogramm in Turbo Pascal für Windows“ und spielte Klassiker wie Wing Commander, DOOM, Monkey Island oder das legendäre Day of the Tentacle. Und natürlich System Shock 2 und X-Wing vs. Tie Fighter, die beiden meiner bescheidenen Meinung nach besten PC-Spiele aller Zeiten. Dazu erstand ich einen 16″ Monitor (NEC Multisync 4D) zum günstigen Abverkaufspreis, mit für damalige Verhältnisse riesiger maximaler Auflösung von 1024*768 Bildpunkten.

Ein CD-Rom Laufwerk und eine einfache 8-Bit Soundblasterkarte waren schon dabei, ich konnte mich also in den folgenden Jahren ohne teure Upgrades meinem Lieblingshobby widmen. Durch welches Modell dieser PC dann ersetzt wurde, weil er trotz manueller Übertaktung (das machte man damals mit sogenannten Jumpern auf dem Motherboard, nicht so komfortabel wie heute im BIOS oder gar im laufenden Windows-Betrieb) auf das Leistungsniveau eines viel teureren DX2/66 einfach zu langsam für die Anforderungen der damaligen Zeit wurde (Windows 95 beispielsweise erforderte mindestens 4 MB RAM, um halbwegs vernünftig damit arbeiten zu können) kann man dann im zweiten Teil dieses Artikels lesen.

Wird wahrscheinlich fortgesetzt.

Anmerkungen

Der Philips-PC ist auf einem Schrotthaufen gelandet, was mir heute ein bisschen leid tut, und den C=64 wollte ich auch nicht aus seinem Dornröschenschlaf am Dachboden wecken. Der 486er wurde nach etwa knapp drei Jahren an eine örtliche Bibliothek verkauft, und damals waren Fotos noch analog und relativ teuer. Deshalb habe ich von diesen Geräten keine eigenen Aufnahmen.

Die Bilder in diesem Artikel sind meines Wissens Public Domain (gefunden auf Wikimedia Commons), falls ich dennoch eine unbeabsichtigte Copyrightverletzung begangen habe, möge man mich freundlich darauf hinweisen und ich werde die Abbildungen umgehend entfernen oder durch andere ersetzen.

Fakten über den C=64, die mir nicht mehr im Gedächtnis waren, habe ich hier nachgeschlagen.

Ähm, außerdem klappt das mit den Links noch nicht so ganz. Ich bin ein blutiger Bloganfänger und hoffe das bald in den Griff zu kriegen.

Update

Nach freundlichem Hinweis eines Lesers habe ich einige Fehler korrigiert, wenn der zweite Teil geschrieben ist, wird dieser Artikel vielleicht noch mal überarbeitet und die eine oder andere Anekdote ergänzt.

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